Definition
Eine freiwillige, personenorientierte Vereinbarung, bei der eine Person mit eingeschränkter oder schwankender Entscheidungsfähigkeit vertraute Unterstützer auswählt, die beim Verstehen, Abwägen und Kommunizieren von Entscheidungen helfen, während die Person ihre rechtliche Entscheidungsbefugnis behält.

Prinzip

Prinzip
Die rechtliche Handlungsfähigkeit der Person achten und erhalten, indem maßgeschneiderte Unterstützungen—Informationsvermittlung, Hilfe bei der Abwägung und Kommunikationsförderung—ermöglicht werden, sodass die Person, nicht ein Stellvertreter, möglichst die letzte Entscheidungsinstanz bleibt.

Demonstration

Demonstration
Ein Erwachsener mit intellektueller Beeinträchtigung schließt eine Vereinbarung ab, die zwei Unterstützer benennt, welche Vertragsinhalte erklären, zu Terminen begleiten und der Person helfen, ihre Wahl zu artikulieren; die Person unterzeichnet die Verträge selbst mit dokumentierter Beteiligung der Unterstützer.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Vereinbarung als Ersatz für eine Vormundschaft zu behandeln oder Unterstützern zu erlauben, zu zwingen oder einseitig zu entscheiden, Grenzen und Schutzmaßnahmen nicht zu dokumentieren oder sich auf Unterstützer ohne Aufsicht zu verlassen, wenn Missbrauchsrisiken bestehen.

Konsequenz

Konsequenz
Bei richtiger Umsetzung kann unterstützte Entscheidungsfindung die Autonomie maximieren, unnötigen Entzug von Rechten verringern, maßgeschneiderte Hilfe leisten und oft die Notwendigkeit einer Vormundschaft vermeiden; sie erfordert klare Rollen, Dokumentation und gegebenenfalls Aufsicht.

Umkehrung

Umkehrung
Die Umkehr tritt ein, wenn Unterstützer die Kontrolle übernehmen und die Entscheidungen der Person übergangen werden, oder wenn ein Gericht trotz Unterstützung die fehlende Fähigkeit feststellt und eine Vormundschaft anordnet, die der Person Entscheidungsbefugnis entzieht.

Abgrenzung

Abgrenzung
Gilt für Personen, die mit Unterstützung Präferenzen äußern können; sie ist nicht geeignet, wenn völlige Unfähigkeit zur Bildung oder Kommunikation konsistenter Entscheidungen besteht, und sie verleiht Unterstützern nicht automatisch rechtliche Befugnisse ohne formale Delegation oder gerichtliche Anerkennung, wenn dies erforderlich ist.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Steht im Spannungsfeld zwischen Autonomie und Schutz: Unterstützte Entscheidungsfindung betont die Erhaltung der Rechtsfähigkeit, während Alternativen wie Vorsorgevollmachten oder Vormundschaft auf Delegation zum Schutz setzen; die Spannung liegt in Risikoabwägung, Verantwortlichkeit und dem Zeitpunkt einer Eskalation zu formalen Maßnahmen.

Synthese

Synthese
Die Vereinbarung zur unterstützten Entscheidungsfindung ist ein kooperatives Modell, das die Selbstbestimmung der Person durch strukturierte vertrauensvolle Unterstützung anerkennt, damit Personen mit kognitiven oder kommunikativen Einschränkungen nach Möglichkeit eigenständig informierte Entscheidungen treffen können.